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Der jüdische Kalender

Im 29. September 2011 feiern Juden in der ganzen Welt das Neue 5772. Jahr von der Welterschaffung und den Feiertag Rosch ha-Schana (Kopf des Jahres). Der erste Tag des jüdischen Monats Tischri, der im Judaismus als Anfang des Neujahrs gilt, fällt im Jahr 5772 auf 29. September 2011 im europäischen Kalender.

In jüdischer Tradition ist der Festtag Rosch ha Schana mit der Erschaffung der Welt durch Gott verbunden. Das ist der Tag, an dem Gott vor etwa 5772 Jahren den ersten Menschen erschaffen hat. Neujahr ist also für Juden - ein Tag der Schaffung der Menschensippe. Das ist der 6. Tag der Erschaffung der Welt, an dem Gott den ersten Menschen – Adam – erschaffen hat. Das bedeutete die Genese der Menschheit und den Anfang der menschlichen Geschichte. Seit diesem Tag nimmt die Zeitrechnung in der jüdischen Geschichte ihren Anfang.

Der jüdische Kalender nimmt also seinen Anfang seit dem Moment der Welterschaffung. Als Gott die Thora Israel überreichte, wies er auch hin, wie nach der Thora die Zeit berechnet wird, in welchem Jahr von der Welterschaffung ausgehend das eine oder andere Ereignis, von der Thora erzählt, geschah. Bis zum heutigen Tag errechnen die Weisen genau die Jahre, um die Daten der kommenden Ereignisse zu erfahren.

Der jüdische Kalender schließt im Jahreszyklus wichtige gesellschaftliche Ereignisse ein: Jahreszeiten (Moadim), Samstage (Schabbatot), Festtage (Hagim), Fasttage (Taaniot), die das Leben eines Juden bestimmen.

Das Jahr gliedert sich dem jüdischen Kalender nach in 12 Monate, die in verschiedenen Jahren den unterschiedlichen Monaten des allgemein anerkannten Kalenders entsprechen können. Der Monat muss ein Mondmonat sein und eine ganze Zahl der abends beginnenden Tage enthalten. Das Jahr muss mit Sonnenjahreszeiten übereinstimmen, jedoch die ganze Zahl der Monate enthalten. Allerdings gibt es zwischen den Mondmonaten und Sonnenjahr keine rationale Korrelation: ein Jahr dauert 12,368. Monate. Daraus folgt, dass die Zahl der Monate im Jahr niemals konstant bleiben kann. Genauso können auch die Monate keine unveränderte Tageszahl haben, weil der Monat im Durchschnitt  aus 29 Tage 12 Stunden, 44 Minuten und 2,78 Sekunden besteht. Das Verhältnis zwischen Tagen und Monaten und Monaten und Jahren unterliegen einer Korrelation.

Die jüdischen Monate bestehen aus 29 und 30 Tagen. Der jüdische Tag beginnt mit Sonnenuntergang und beendet sich mit dem nächsten Sonnenuntergang. Im jüdischen Kalender besteht das einfache Jahr aus 12 Mondmonate; im Schaltjahr wird noch ein Schaltmonat eingefügt. Sowie einfache, als auch Schaltjahre unterteilt man in richtige (alle 12 Monate sind im Wechsel 29 oder 30 Tage lang), ausreichende (ein Monat, der üblicherweise 29 Tage hat, bekommt noch einen zusätzlichen Tag und zählt 30 Tage), nicht ausreichende (ein 30-tägiger Monat verliert einen Tag und zählt somit  29 Tage). Also:

Jüdischer Kalender hat einen neunzehnjahrelangen Zyklus. Das sind 12 Jahre, in denen jedes Jahr 12 Mondmonate hat, plus sieben Jahre, in denen jedes Jahr 13 Mondmonate haben. Insgesamt gibt es im Zyklus 235 Mondmonate (12x12+7x13). Der neunzehnjährige Zyklus ist so festgelegt, dass er immer in dem Jahr zu Ende geht, dessen Ordinalzahl (von der Welterschaffung) ohne Rest durch 19 geteilt wird. Darum muss man, um die Stelle eines oder jenes Jahres im neunzehnjährigen Zyklus einzuordnen, die Ordnungszahl dieses Jahres restlos durch 19 teilen. Das Ergebnis vom Dividieren zeigt das Jahr im Zyklus.
Das Jahr hat vier Anfänge:

Am 1. Nisan – (der erste Monat; im Frühling) ist Jahresanfang für das Abzählen der Jüdischen Könige und Zyklus von Drei Festtagen (Pessach, Schawuot, Sukkot).

Am 1. Elul (der sechste Monat; im Sommer) ist der Anfang des Jahres für das Abzählen des Viehwurfs, um jedes zehnte Junge für Steuerabgabe abzutrennen.

Am 1. Tischri (der siebte Monat; im Herbst) ist Anfang des Kalenderjahres, des siebenjährigen und Jubiläumszyklus, Tag des Gerichts.

Am 15. Schevat (der elfte Monat; im Winter) – ist Jahresanfang für die Schätzung der Ernteerträge von Bäumen und Trennung des Zehntels davon als Steuerabgabe.

Die zwölf Monate des Jahres werden in vier Jahreszeiten geteilt:

Frühling:    Nisan, Ijar, Sivan
Sommer:    Tammus, Aw, Elul
Herbst:    Tischri, Cheschwan, Kislev
Winter:     Tevet, Schevat, Adar

Der jüdische Tag funktioniert auch anders. Der Tag besteht auch aus 24 Stunden, die Stunden sind aber nicht gleich. Sie werden in zwei Gruppen geteilt: Tagesstunden und Nachtstunden. Der Tag dauert immer 12 Stunden, so lange ist auch die Nacht. Und deswegen kommt es dazu, dass am langen Sommertag eine Stunde 72 Minuten lang ist, während im Winter eine Stunde nur 48 Minuten sein könnte.

 

Aus einem Vortrag vom April 2007. Dieser deutsch-russische Themenabend zum Jüdischen Kalender im Klub Gshelka stellte eines der ersten Projekte des IWOS dar.

 

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